Donnerstag, März 10, 2005

Heinrich Heine

Die Aktualität Heinrich Heines
Heinrich Heine war ein deutscher Dichter der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine politischen Dichtungen zeichnen sich insbesondere durch ihre bissige Ironie und stellenweisen Sarkasmus aus und richten sich vorwiegend gegen den repressiven und willkürlichen Staat der absoluten Fürsten, und die deutsche Kleinstaaterei. Schlussendlich musste Heine fliehen und starb Mitte des Jahrhunderts im Pariser Exil.
Seine Dichtung verfehlt auch heutzutage nicht ihre Wirkung und ist oftmals von beklemmender Aktualität.
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Heinrich Heine: Erinnerungen An Krähwinkels Schreckenstage

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkel, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

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